Tote ausgraben

Neulich habe ich etwas wirklich Gruseliges erlebt: Das muss ich euch einfach erzählen!

Habt ihr schon mal einen Toten ausgegraben? Kennt man ja eigentlich nur aus irgendwelchen Horrorstreifen – hätte nie gedacht, dass ich sowas wirklich mal machen würde – oder zumindest bei zugucken würde. Hab‘ ich jetzt aber. Und dabei auch noch etwas über meine Polizistin Grace erfahren.

Um einen Toten auszugraben, muss man ja auf einen Friedhof – versteht sich eigentlich von selbst und ist an und für sich auch nix Schlimmes. Bin ja oft da, um Menschen zu beerdigen. Die Stimmung so ab 10pm, also nachts, auf einem Friedhof kann einem aber doch auch mal einen Schauer über den Rücken jagen. Da hab ich mich ja wirklich gefragt: Wer geht schon gerne nachts auf einen Friedhof?
Grace Bennet jedenfalls nicht. Die hatte nämlich Angst. Mein Glück, deswegen hat sie mich gefragt, ob ich mitkomme. Zuerst wollte sie es ja nicht zugeben, aber ich hab´s ihr angesehen. In ihren Augen stand es mit Großbuchstaben geschrieben – ANGST. Also habe ich den Mutigen gegeben und sie beschützt – wirklich was zu beschützen gab‘s ja eigentlich nicht, oder sagen wir mal: Bennett hat da einfach andere Mittel zur Hand, sollte wirklich Gefahr im Verzug sein.

Auf jeden Fall haben wir einen Toten ausgegraben, natürlich mit fachlicher Hilfe und vor allem, einer Erlaubnis. Sonst könnte ja jeder kommen und wenn er Lust hat fröhlich auf dem Friedhof graben – das geht natürlich nicht. Da muss man schon gute Gründe haben. Die hatten wir: Unseren Mordfall und die Aussicht auf Klärung. Das nennt man dann erneute Leichenschau und ist im Paragraph 87 Abs. 3 der Strafprozessordnung festgelegt. Wenn ich so weiter mache kenne ich diese Ordnung bald so gut wie meine Bibel! Eine Exhumierung ist bei Verdachtsfällen möglich, um eine Beweislage zu sichern. Die Staatsanwaltschaft kann die Exhumierung beantragen. Und ich kann schon mal verraten: Die Pathologin konnte anschließend Ltd. Bennett gut weiterhelfen.